26
Nov
2007

lexikalische Fundstücke: "baldmöglichst"

"Bitte kommen Sie baldmöglichst zur Vertragsunterzeichnung vorbei"

Das kommt davon, wenn man so sehr auf Geschäftsdeutsch geeicht ist, daß einem die Formulierung "so bald wie möglich" zu wenig steif, zu locker, zu informell klingt -- wenn sie einem überhaupt einfällt. Andererseits scheint dem Autor der Jargon dann doch noch nicht ganz geläufig zu sein, sonst hätte er auf das saloppe Verb "vorbeikommen" verzichtet. Steifere Wendungen gibt es nicht wenige: "vorsprechen", "sich einfinden", "vorstellig werden" hätten sich da angeboten, vielleicht sogar "erscheinen", am besten in einer offiziellsprachlichen Nominalisierung, also etwa: "Um Ihr schnellstmögliches Erscheinen zwecks Vertragsunterzeichnung wird gebeten."

Ach, was ist die deutsche Sprache doch vielfältig und ausdrucksstark! Man versteht gar nicht, daß so viele ihren Niedergang anzukündigen fleißigmöglichst, pardon, fleißigstmöglich bemüht sind.
siam - 2. Dez, 03:31

Projektvorschlagsunterbreitung

solltest eine pitchblack Sprachkritik-Reihe rausbringen. Ich sehe sie schon vor mir: Schwere Bände im obersten Regal, humorvolles Standardwerk im intellektuellen Wohnzimmer. Kannst dir ja überlegen, ob dus wien Lexikon aufziehen würdest.
Leute könnten dann ankommen in Situationen und sagen: Wenns nicht im Unkenruf steht, gehts nicht! Und alle Punkte der jeweiligen Scrabblerunde einsammeln.

Unke - 6. Dez, 13:30

Nun, eigentlich ist es mir als Linguist zuwider, Sprachkritik in gleich welcher Form vorzunehmen, weil damit immer ein normierendes Element mitschwingt. Andererseits reagiere ich aber auf unbedachtenund gedankenlosen Sprachgebrauch empfindlich und kann mir ab und an eine Bemerkung zum Schöne-neue-Welt-Deutsch nicht verkneifen. Aber auf einen Buchrücken würde ich meinen Namen dann doch nicht setzen wollen.
siam - 6. Dez, 15:21

was war hier nochmal der Grund..?
Unke - 7. Dez, 09:42

Der Grund wofür?

nömix - 8. Dez, 08:26

baldissimo!

Wenn baldmöglichst nicht bald genug ist, muss es wohl baldestmöglich sein, und wer’s noch bälder haben will, will es baldigstmöglich. Am bäldesten ist wohl baldigstmöglichst.

(im Amtsösterreichischen ist der Ausdruck ehebaldigst durchaus geläufig, es geht aber noch baldiger, ehestbaldig. Am baldigsten nennt sich folgerichtig ehestbaldigst.)

Ein weites Feld für die Superlativisten unter den Sprachkretin kreativen ;)


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